Mittsommer – Juhannus - Litha
Hier mal kurz ein bisschen geschichtlicher Hintergrund zu den Feiern an Mittsommer.
In vielen Ländern Europas feiert man das Johannisfest als Gedenkfest der Geburt Johannes des Täufers. Und hier in Finnland feiert man eben auch den Einbruch des Sommers. Nach dem langen, kalten und dunklen Winter ist jeder Finne froh, wenn die Tage wieder länger werden. Und das wird eben gefeiert. Der ganze Campingplatz war, wie es Tradition ist mit frischen Birkenzweigen geschmückt. Manche hatten bunte Wiesenblumensträuße gesammelt und damit ihren Stellplatz dekoriert.
Das Fest hat seinen Ursprung in einem alten Fruchtbarkeitskult zur Sommersonnenwende. Das Juhannuskokko (kokko=Feuer) ist eine uralte Tradition, mit der der Jahreslauf und die helle Nacht gefeiert werden und böse Geister ferngehalten werden sollen. Dieser Brauch war anfangs nur in Ostfinnland üblich, aber heute werden überall in Finnland Johannisfeuer abgebrannt. Lohende Johannisfeuer an Gewässern, Mädchen in Nationaltracht, weiße borkige Birken und weißblaue finnische Flaggen gehören zur Ideallandschaft des Johannisfests.
Ok, Mädels in Tracht gab es bei uns auf dem Campingplatz eigentlich keine, aber man hat den Finnen angemerkt dass es ihnen wichtig war diesen Tag gebührend zu feiern. Der Tag ist auch äußerst beliebt bei jungen Paaren, die sich das Ja-Wort geben wollen. Die Kirchen und Kapellen sind an diesem Tag schon lange im Voraus ausgebucht. Und damit „Frau“ sich auch sicher sein kann den „Richtigen“ zu heiraten, gibt es noch ein Juhannusbrauch.
Einer alten Tradition gemäß, sammeln in dieser Nacht die unverheirateten jungen Mädchen sieben verschiedene Blumen, die sie unter ihr Kopfkissen legen. In der Nacht sollen sie dann von ihrem zukünftigen Ehemann träumen. Auf einer anderen Seite habe ich gelesen, dass die Blumen zudem noch von sieben verschiedenen Wiesen stammen müssen.
Juhannus ist nach Weihnachten der wichtigste Feiertag im Land. Die Städte sind wie ausgestorben, weil es jeden aufs Land zieht. Und wenn möglich dann mit der kompletten Familie ins eigene Mökki am See. Es gibt aber auch andere Alternativen. Vorwiegend für Jugendliche werden in Rauma, Virrat und Vaasa riesige Rockfestivals organisiert. Aber da dort vorwiegend finnische Rockbands auftreten und wir sowieso eher was Idyllisches für Mittsommer gesucht haben, zog es uns eben aufs Land zum Campen.
Am Freitag ging sie los unsere Reise zu unserem Campingplatz auf dem wir Juhannus verbringen wollten. Mit dem Bummelzug Richtung Lahti. Unterwegs in Lappila hat uns Lasse dann beim kurzen Zwischenstopp das Zelt an den Zug gebracht. In Lahti angekommen hieß es erstmal voll bepackt Richtung Marktplatz laufen. Dort hat uns der Busfahrer dann mitgeteilt, dass der Bus den wir laut Campingplatzinfo nehmen sollten, nur bis zwei Kilometer vor den Campinglatz fährt. Glücklicherweise konnte er uns aber einen nennen, der direkt bis an den Eingang fuhr. Also ging es dann mit eben diesem Bus ne knappe Stunde lang weiter Richtung Messilä.
Bei unserm kurzen Spaziergang durch Lahti haben wir festgestellt, dass es auch hier ganz schön ist, und dass wir hierher auch mal einen Ausflug unternehmen müssen. Wahrzeichen der Stadt sind die Skisprunganlagen. Auf ihnen werden seit 1923 die berühmten Lahti-Winterspiele ausgetragen. Außerdem haben wir am Sonntag erfahren, dass Janne Ahonen auch in Lahti wohnt.
Das Zelt war dann leider Gottes alles andere als ich es von meinen eigenen gewohnt war. Es erinnerte mich schwer an das Vorzelt von unserer Stopfkugel (unser erster geliebter Wohnwagen). Von modernen Wasser abweisenden Materialen weit entfernt. Auch gab es kein Fiberglasgestänge, sondern nur leicht gebogene und an den Endstücken verbogene Metallstangen. Aber Lasse hatte Gott sei dank vorgesorgt und uns noch ein Stück Bauplane eingepackt, falls es zu regnen beginnen sollte. War auch gut so.
Unser Zelt
Nach einigen Mühen haben wir es aber dann doch geschafft mit vereinten Kräften das Urzeitiglu aufzubauen. Nach getaner Arbeit haben wir uns erstmal ein bisschen gesonnt. Und als wir da so in der Sonne auf unseren Isomatten sitzen, kommt unser Nachbar Timo zu uns rüber und hat uns zwei Flaschen „Otto“ geschenkt. Das ist so ein Longdrink den sie hier gerne trinken. Nett, oder? Er meinte wir bräuchten doch was typisch Finnisches. Vielleicht hat ihn ja unsere typisch deutsche Dosenlyoner irritiert, die es bei uns zum Abendessen gab.

Die gute Dosenlyoner von daheim!!
Danach kam dann noch seine Schwester bei uns vorbei. Die war äußerst gesprächig, aber das ist laut ihrer Aussage für Finnen aus dem karelischen Teil Finnlands äußerst normal. Sie hat dann auch gemeint, dass wir sobald wir Probleme mit irgendwelchen besoffenen Finnen haben, einfach nur nach Timo brüllen müssen. Er wäre unser Bodyguard. Das zeigt wieder einmal mehr wie freundlich die Finnen sind.
Aber das waren nicht die einzigen, die wir kennen gelernt haben. Am Hafen wollten wir ein
Foto von uns mit dem Sonnenuntergang im Hintergrund. Der nächstbeste war Markko, der Diana ins Wasser werfen wollte, und dass obwohl sie ihre Kamera um den Hals hatte. Wir konnten ihn dann doch noch davon abhalten. Er war halt auch schon wie die meisten etwas angetütelt. Auf die Bilder bin ich auf alle Fälle gespannt.
Um 23 Uhr wurde das „Kokko“ dass direkt am Strand aufgeschichtet war dann endlich entzündet. Schon ein imposanter Anblick, so ein großes Feuer und das in der schönen Kulisse.
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Dahinter der Sonnenuntergang und vorbeiziehende Boote. Wir konnten uns nicht bremsen und haben das Feuer ungefähr 5mal aus jeder Perspektive abgelichtet. Ihr könnt die Ergebnisse ja dann im neuen Fotoalbum auf meiner Homepage betrachten.
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Nach dem Feuer sind wir dann noch auf den extra hergerichteten Tanzboden. Auch etwas typisch Finnisches zu Juhannus. Der Sommer, das Johannisfest und lavatanssit gehören zusammen. Im Zelt vor der Scheune haben wir dann noch eine Finnin kennen gelernt, die jetzt dann für ein halbes Jahr nach Köndringen bei Freiburg in ner Gastfamilie ist. Zuerst wollten wir ja nicht in die Scheune rein. Denn bei den Finnen gibt es eine Regel. Wird man zum Tanz aufgefordert darf man nicht nein sagen. Erst nach zweimal tanzen oder so. Aber wir wollten uns die schnuckelig hergerichtete Scheune, die mit Lampions und natürlich Birkenreisig geschmückt war dann doch nicht entgehen lassen.
Tanzboden
Und nach nicht langer Zeit wurden wir natürlich von ein paar angelabert. Aber sie waren ganz nett. Ich bin mit ihnen dann noch zum Strand runter, während Diana sich mit Markko fest gequatscht hatte. Später haben wir dann am Lagerfeuer die berühmte Streitfrage diskutiert, dass finnische Würste eklig sind und deutsche besser schmecken. Außerdem konnten wir uns auch nicht einigen ob jetzt Deutsch oder Finnisch schwerer zu erlernen sind. Gegen drei sind wir dann in unsere Schlafsäcke gekrochen.
Am Samstagmorgen wurde ich noch wach, weil es mir im Schlafsack zu warm wurde und ne Stunde später hat es angefangen zu regnen. Und es hat auch leider den ganzen Tag bis abends nichts anderes mehr gemacht. Die Folie die wir mit hatten, deckte leider nur ungenügend das Zelt ab, so dass wir bald nasse Füße bekamen. Am Campingplatz haben wir dann noch ne zweite Plane organisiert und im Zelt Plastikbecher aufgestellt um das Wasser zu sammeln.
undichtes Zelt
Gegen Abend hatte das Wetter aber dann doch Erbarmen, so dass wir uns nicht nach einer Schlafalternative umsehen mussten. Am Sonntag sind wir früh raus, haben das Zelt das fast wieder getrocknet war abgebaut und alles zusammen gepackt. Auf einen Bus haben wir dann aber leider vergebens gewartet. Aber unser Nachbar Timo war so nett und hat uns nach ner Stunde warten aufgelesen und nach Lahti zum Bahnhof gebracht.
Also alles in allem hatten wir, abgesehen vom Regen ein richtig schönes beschauliches Juhannus erlebt. Nur zu empfehlen für alle die es mal in den Norden zieht.
Hier habe ich noch ein kleines Schmankerl. Beim Stöbern im Internet bin ich auch auf einige Seiten von so genannten modernen Hexen gestoßen, für die Mittsommer auch eine besondere Bedeutung hat. Und da hab ich ein Rezept für „Mittsommer-Met“ entdeckt:
- 4 Liter Wasser
- 1 Tasse Mädesüß Gewürz
- 1 Tasse Waldmeister
- 1 Tasse Heidekrautblüten
- 3 Gewürznelken
- 1 Tasse Honig
- 1/4 Tasse Braunzucker
- 1 Tasse Starkbier
- 30 g Brauerei-Hefe
Gieß das Wasser in ein großes Gefäß. Bring es zum Kochen, füge Mädesüß Gewürz, Waldmeister, Heidekrautblüten und die Nelken hinzu. Koch das Ganze eine Stunde lang, dann gib Honig, Braunzucker und das Starkbier dazu.
Rühre es dreißigmal im Uhrzeigersinn um, dann nimm es vom Feuer.
Filtere das Gebräu und lass den Met auf Raumtemperatur abkühlen. Rühre dann die Brauerei-Hefe ein und bedecke die Brühe mit einem Geschirrtuch. Lass sie für einen Tag und eine Nacht stehen. Dann filtere sie noch einmal und fülle sie in Flaschen ab. Bewahre sie zum baldigen Verzehr an einem kühlen Ort auf.

Der Mittsommer-Met kann natürlich auch an anderen Sabbaten und Esbats getrunken werden, doch schmeckt er an der Sommersonnenwende am besten.














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