Dienstag, Juli 19, 2005

Und wieder ruft das Mökki...

Am Samstag den 16. Juli war es mal wieder soweit, dass Lasse unser Tutor uns zum Mökki seiner Familie in Miehola in der Nähe von Lappila eingeladen hat. Morgens habe ich ihm noch den versprochenen Butterkuchen gebacken, weil er uns für Mittsommer doch sein Zelt geliehen hat. Hanna hatte ein Auto organisiert und mit ihr und ihrem Freund ging’s dann los. Bevor es aber dorthin ging, war erst noch ein kleiner Umweg zum 16. Kirchbootrennen nicht weit von Mommila angesagt. Dort ist ebenfalls ein kleiner See an dem sich 16 Boote einen spannenden Ruderwettstreit auf einer Strecke von 16 km lieferten. Schon den ganzen Tag über haben dort Rennen in verschiedenen Kategorien stattgefunden.

so sehen die Kirchboote aus, kann man auch überall mieten

Als Lasse das letzte Mal als wir mit ihm und Tuomas am Mökki waren gehört hat, dass ich so gern rudere, hat er gemeint ich soll mich doch für den Wettbewerb anmelden. Aber 16 km müssen es dann doch nicht sein.

Lasse musste auf dem Fest noch bis halb vier am Schießstand helfen. Und da haben wir es uns nicht nehmen lassen auch gleich selbst unser Glück zu versuchen. Allerdings waren es die gleichen Gewehre, die es bei uns im Schützenhaus auch hat, und die sind ganz schön schwer. Und Frauen durften im Wettbewerb nicht auflegen nur Kinder. Aber obwohl ich beim stehend Schießen gezittert habe wie ein Kuhschwanz sind alle 10 Schuss auf der Scheibe gelandet und insgesamt kam ich auf 29 Punkte, der Rekord bei den Frauen lag bei 51. Also war’s so schlecht nicht.
Aber mit auflegen ist mir bedeutend lieber, oder halt die leichten Luftgewehre vom Weinfest.


Danach sind wir dann ans Mökki. Lasse musste noch mal nach Hause sein Zeug holen und dann sind er und Diana mit dem Auto ans Volleyballfeld auf der anderen Seite gefahren und ich bin mit Hanna und ihrem Freund mit dem Boot rübergerudert. Die zwei sind dann zum Zuschauen mit ans Feld und ich mit Lasses Angel wieder raus auf den See. Musste doch mein Glück wieder versuchen.

Und es ging auch keine zwanzig Minuten, da hat es an der Angel auch schon wieder gezuckt. Was da aber gezogen hat wie ein drei Kilo Monster war dann ein 22 cm großer Hecht. Aber er war doch noch zu klein zum rausholen, deshalb hab ich ihn, nach dem ich ihn endlich vom Haken hatte, wieder rein geschmissen. Und obwohl meistens ein kleines Lüftchen ging hat es ganz schön runter geknallt. Aber die Stille so ganz allein auf de See war einfach herrlich.


Nach ner Stunde und 15 Minuten bin ich dann zurück zu den anderen ans Volleyballfeld gerudert. Die haben dann noch ihr letztes Spiel beendet und dann ging’s zurück zum Grillen. Es gab Steaks, Tomaten, Gurke und Baguette. Die zwei Jungs vom Volleyball waren auch noch dabei und noch ein paar Freunde von Lasse. Während unser Essen vor sich hinbrutzelte hab ich den anderen das Würfelspiel 10 000 erklärt. Und nach dem Essen ging’s dann in die Sauna. Erst die Jungs und dann wir, so dachten wir das jedenfalls. Aber die kamen irgendwie nicht mehr raus und als wir nach Hanna riefen kam sie plötzlich aus der Sauna und meinte wir sollen reinkommen. Erstaunlicherweise waren Matti und Lasse aber auch noch drin.


Normalerweise geht man hier ja streng getrennt, aber Matti erklärte uns dann später dass in Studentenkreisen das wohl nicht so eng gesehen wird. Na ja und die Frage ob man dann mit Badeklamotten oder ohne geht, war überflüssig. Denn erstens hatte ich gleich beim reinkommen in die Sauna unmissverständliche Ausblicke und zweitens hingen die Badehosen der zwei fein säuberlich an der Wand gegenüber am Haken. Wir Mädels hatten unsere Bikinis trotzdem anbehalten.



Und endlich konnte ich mal ausprobieren was ich schon in so vielen Berichten über Finnland und Sauna gesehen habe. Lasse hatte einen „vasta“ oder auch „vihta“ genannten jungen, dünnen Birkenzweig dabei. Eigentlich schon mehrere die zu einem Bündel zusammengebunden waren. Man schneidet diese Zweige traditionell am 29. Juni, weil da dann die Blätter noch weich und voller Feuchtigkeit sind. Lasse hat uns auch erklärt dass man sie mittlerweile auch im Supermarkt vakumiert im Kühlregal finden kann, weil ja nicht jeder eigene Birkenbäume hat. Und einfach so von nem Baum ein paar Zweige abzuknipsen ist verboten.


Mit eben diesem Birkenbündel das zu Beginn und immer wieder zwischendurch zum Reinigen über den heißen Dampf gehalten wird, schlägt man sich dann entweder alleine oder gegenseitig. Das verbreitet ein angenehmes Kribbeln auf der Haut und einen wunderbar frischen Duft in der Sauna. Direkt vor der Tür wartete der 24° warme See zum erfrischen, in dem wir dann noch ein paar Runden geschwommen sind, bevor der zweite Saunagang anstand.


Ich habe mich danach dann noch ganz traditionsgemäß in der Sauna geduscht, denn ne normale Dusche gibt es am Mökki natürlich nicht. Da steht dann halt ein großer Plastikeimer mit Wasser aus dem See in der Sauna, und das schöpft man sich dann mit ner großen Kelle immer wieder oben drüber. Die Sauna ist so gebaut dass die Bodenbretter immer mit nem kleinen Abstand verlegt sind und so kann das Wasser einfach im Uferboden versickern. Mit der gleichen Kelle habe ich mittags noch das Wasser immer wieder aus dem Boot geschöpft.



Die Herren der Schöpfung wollten dann aber noch weiter nach Lahti in eine Bar und so sind wir dann bald nach der Sauna mit Hanna und ihrem Freund zurückgefahren.

Eigentlich stand das Ganze heut wieder auf dem Programm, aber leider hat es angefangen zu regnen und das soll es wohl auch noch die nächsten Tage tun. Hauptsache im Urlaub scheint wieder die Sonne.

Samstag, Juli 16, 2005

Kiasma Helsinki und Holzhausstadt Porvoo

Am Donnerstag den 14. Juni war mal wieder Kultur- und Ausflugstag. Erst ging es mit dem Zug nach Helsinki und dort ins „Museum für zeitgenössische Kunst“ namens Kiasma. Tobias hat uns nämlich ganz begeistert am Dienstag von der Ausstellung berichtet, als wir abends vorm Museum noch unsern Kaffee getrunken haben. Und da nach Porvoo keine direkte Zugverbindug besteht mussten wir sowieso erst nach Helsinki.



Kimmo Schroderus´Expander


Kiasma - der Name wird vom griechischen Buchstaben Chi abgeleitet und soll für Querverbindungen zwischen den Kulturen stehen! Das Museum wurde 1990 gegründet als Teil der Finnischen Nationalgallerie. Es beherbergt zur Zeit die Ausstellungen "In Another World", eine Metallplastik von "Kimmo Schroderus" und eine Filminstallation von "Pia Tikka" mit dem Titel "Obsession". Außerdem noch einiges anderes. Na ja Querverbindungen hin oder her, ich war nicht ganz so begeistert, und ich glaub Diana auch nicht. Oder muss man es jetzt als Kunst anerkennen, wenn sich jemand sein Gemächt nach hinten bindet und dann wie ein Pferd im Kreis um einen Pfosten läuft? Nö, oder?


da waren die hier schon netter anzusehen...

Die Ausstellung "Another World" war dagegen recht nett anzusehen. Ich bin mir ehrlich gesagt ein bißchen vorgekommen wie im Europa-Park in Piraten in Batavia. Dekoriert waren die Ausstellungsstücke an und auf Europaletten. Das meiste davon war ziemlich kunterbunt, sah ein bißchen aus wie in Bali auf dem Flohmarkt oder selbstgebastelt.






Kartenhaus


Tracht

Gab aber auch ein paar interessante oder schöne Ausstellungsstücke. Zum Beispiel war da auf einer sich drehenden Scheibe aus Hasenstalldraht eine kleine Miniwelt aus dem gleichen Material aufgebaut. Und das ganze wurde von einer kleinen Lampe beschienen und hat beim Drehen schöne Schatten an die Wand geworfen.










Mit dem Bus ging es nach der Kiasma Ausstellung eine Stunde und zehn Minuten nach Poorvo und ich hab die ganze Zeit geschlafen. Aber in Porvoo bin ich schnell wieder wach geworden, aber es gibt ja auch lauter schöne Dinge zu sehen. Außerhalb der Altstadt sieht Porvoo aus wie jede andere Stadt auch. Aber deshalb kommt man ja auch nicht hier her.

Aber erst mal ein bisschen Geschichte. Der Fluss von Porvoo erhielt seinen Namen im 14. Jhd. nach den auf dem Burgberg errichteten Erdbefstigungen. Später entstand daraus der Name der Stadt, der sich vom schwedischen Wort „Borga“ (borg=Burg, borg-a=Burgfluss) ableitet. Die Befestigungsanlagen gibt es heute nicht mehr, und an die damalige Zeit erinnern heute nur noch die Grabenanlagen.



Dom

Porvoo ist nach Turku die zweitälteste Stadt Finnlands, aber das genaue Gründungsdatum ist nicht bekannt. Für uns ging der Weg zuerst zur Domkirche. Der weißgetünchte Bau ist jetzt keine extra prachtvolle Kirche und erinnert eher an eine kleine Dorfkirche, ist aber in einem schönen Kirchhof gelegen. aber er ist nichts desto trotz das Wahrzeichen der Stadt undgenauso bekannt wie die roten Holzhäuschen. Weiter ging es dann auf einer kleinen Straße mit monstermäßigem Kopfsteinpflaster, entlang den rot gestrichenen Lattenzäunen. Der Weg endet mitten auf dem Rathausplatz an dem sich das Café Fanny befindet. Dort kann man auch die berühmten „Runeberg-Törtchen“ vernaschen, benannt nach dem bekannten Dichter Johan Ludvig Runeberg Wir haben aber keine versucht.

Runeberg-Törtchen (Runebergintortut)


Zutaten:

  • 1 Ei
  • 1 dl Zucker
  • 1 dl Sahne
  • 50 g Mandeln; klein gehackt
  • 125 g Butter; zerlassen
  • 1 dl Brösel von Pfefferkuchen
  • 1 dl Brösel vom Sauerteigbrot
  • 1 dl Semmelbrösel
  • 1 dl Weizenmehl
  • 1 Tropfen Bittermandelöl
  • 1 Tl. Backpulver
  • 6 El. Himbeerkonfituere
  • 1 dl Puderzucker
  • 0.5 El. Wasser



Zubereitung:

Diese Törtchen werden zum 5. Februar, dem Geburtstag von Johan Ludwig Runeberg, zu Kaffee serviert. Frederika Runeberg, die Frau des Nationaldichters, hat diese Törtchen gebacken, die Konfitüre soll jedoch erst später hinzugekommen sein.

Ei mit dem Zucker schaumig schlagen. Sahne, abgekühlte Butter, Mehl mit Backpulver, klein gehackten Mandeln und Bröseln mit Ei-Zucker-Schaum verrühren. Zum Schluss Bittermandelöl.

Achtung: Auf keinen Fall mehr Bittermandelöl verwenden.

Hohe runde Formen gut einfetten (Papierformen nicht fetten) und zu 3/4 füllen. Bei 175 Grad etwa 20 Minuten backen.

Etwas abkühlen lassen. Auf jedes Törtchen 1/2 Esslöffel Himbeerkonfitüre geben; Puderzucker und Wasser rühren und damit rund um die Konfitüre einen Kreis spritzen.


Runebergtörtchen

Wer mal welche versucht hat kann mir ja dann sagen wie sie geschmeckt haben. Brösel vom Sauerteigbrot hört sich auf jeden Fall ein bisschen schräg an.

Vom Rathausplatz geht es in jede Richtung in eine schnuckelige Straße nach der anderen ab gesäumt von den kleinen Holzhäusern in allen Farben. Hier hat z.B. einen Laden, in dem man sich Künstlerpigmente genauso wie die neue Tapete fürs Wohnzimmer kaufen kann, aber auch noch einen Kaffee und ein Stück Kuchen bekommt, wenn man will. Natürlich gibt es auch alle Richtungen des Kunsthandwerks, vom Filzen übers Glas und Töpferei aber auch ganz normale Souveniershops mit dem üblichen Krims Krams.











Und ganz unten am Fluss hat es die roten Häuschen stehen, die auch jede Postkarte zieren. Und wir haben dieses Motiv jetzt auch von allen erdenklichen Stellen aus abgeknipst. Man muss ja froh sein dass wenigstens die paar Holzhäuser noch da sind, denn am 11.06.1760 war die Brandnacht von Porvoo.


In eben dieser Nacht hat eine fleißige Hausfrau für ihr Dienstvolk morgens um drei Fisch gekocht. Und obwohl sie dabei größte Vorsicht walten ließ, erwachten die Hausbewohner eine Stunde später am Lärm des ausgebrochenen Feuers. Es hat auch gleich das Nachbarhaus Feuer gefangen und in dieser fielen den 293 Häusern von Porvoo 202 dem Großbrand zum Opfer, weil alle Löschversuche vergeblich waren.



Bar und Café am Hafen


Und es gibt noch eine interessante Geschichte aus Porvoo. Und zwar rühmen sich im Touristenheftchen über Poorvo manche Restaurants damit, dass bei ihnen die Portionen mit dem alten Maß von Porvoo bemessen sind, also reichlich. Auch das hat einen geschichtlichen Hintergrund, der zurück reicht bis zur Zeit der Schwedenherrschaft. Der Vogt der Krone trieb die Steuern von den Bewohnern in Form von Getreide und Branntwein ein. Als Messbehälter benutzte er dabei einen Becher mit doppeltem Boden. Bei der Steuererhebung wurde die größere Seite das so genannte Maß von Porvoo benutzt, bei der Abrechnung der Steuern an den König drehte er den Becher um und maß mit der kleineren Seite. Mit der Differenz ließ es sich gut leben.



Maß von Porvoo

Nachdem wir alles besichtigt hatten, wollten wir in einem netten Straßencafé zur Abwechslung mal essen gehen. Leider hatte dass in dem es Wiener Schnitzel gab schon um fünf dicht gemacht und so sind wir im Rosso gelandet. Auch dort haben wir es uns richtig gut gehen lassen und Diana hat mich zur Feier des Tages sogar noch zum Essen eingeladen, weil sie mir das doch mal versprochen hatte, nachdem sie in Hämeenlinna vor den Sexkabinen nen Fuffi auf der Straße gefunden hat. Das war das Essen natürlich gleich noch mal so lecker.

Und der Countdown läuft. Noch 28 Tage bis zum Heimflug und nur noch 16 Tage bis der Urlaub losgeht.

Mittwoch, Juli 13, 2005

Hämeenlinna und Picknickausflug in den Park Aulanko

Am Dienstag kam uns Tobias besuchen, so wie wir es am Samstag mit ihm abgemacht hatten. Zuerst haben wir mit ihm ne Runde durch unser schönes Riihimäki gedreht. Dann ging es mit seinem Auto in den Lidl wo wir uns ein bisschen was für unser geplantes Picknick im Park von Aulanko besorgt haben.

Nach ner halben Stunde Fahrtzeit sind wir dann in Hämeenlinna angekommen und dort dann aber erst zur Burg gefahren. Die hatte Tobi nämlich noch nicht gesehen. Danach ging es dann gleich weiter Richtung Aulanko. Hierbei handelt es sich um einen wunderschön angelegten Park der seine Anfänge um 1100 hat. Prähistorische Funde belegen, dass auf der Anhöhe Aulanko bereits zu Zeiten des Heidentums eine Schutzburg stand. Die alte Burg der Hämeer dürfte um das Jahr 1250 vernichtet worden sein, woraufhin die jetzige Burg Hämeenlinna zum Schutz des Sees Vanajavesi errichtet wurde.



Burg Turku



Hugo Standertskjöld

Die Glanzzeit von Aulanko begann, als Oberst Hugo Standertskjöld (1844 - 1931) im Jahre 1883 den damaligen Gutshof Karlberg und dessen Ländereien erwarb. Standertskjöld, der als Waffenfabrikant in Russland zu Reichtum gelangte, ließ in Aulanko einen Gutshof und Parkanlagen errichten, wie Finnland sie nie zuvor gesehen hatte. Der gute Ruf von Aulanko drang schon damals über die Landesgrenzen hinaus, und lockte sogar viele Reisende aus Südeuropa an.



altes Gutshaus



Lustpavillon

Hugo Standertskjöld ließ neue Fahr- und Fußwege sowie Pfade bauen. Der Wald wurde gelichtet, und der Waldboden von Steinen befreit. Zwei Teiche legte Standertskjöld an, wobei etwa einhunderttausend Kubikmeter Erde ausgehoben wurden, alles ohne Maschine! An den beiden Teichen, namens Wald- und Schwanenteich, wurden zahlreiche Wasservögel angesiedelt, darunter auch die seltenen schwarzen Schwäne. Im Park wurden Lustpavillons, die stattlichen Granitburg und die Bärengrotte errichtet. Im Jahre 1906 wurde auf der Anhöhe Aulanko auch ein imposanter Aussichtsturm fertig gestellt.

Und an dem Waldteich (Metsälampi) haben wir unser Lager fürs Picknick aufgeschlagen. Rings um den See rum stehen grobe Holztische und Bänke. Da haben wir uns dann an einem breit gemacht und unsere Leckereien ausgepackt. Und als wir nach dem großen Schlemmen noch ein wenig die Sonne ins Gesicht scheinen ließen kam auf Mal ein kleines Eichhörnchen aus dem Wald auf uns zugehüpft. Es war total zutraulich und hat sich auch gleich über das Stückchen Brot hergemacht, das Diana ihm hingeworfen hat. Und als das weggemümmelt war hat es uns aus seinen kleinen braunen Augen erwartungsvoll angesehen. Wir haben es dann noch ne Weile gefüttert. Es ist sogar soweit gegangen, dass es Tobias die Brotstücke aus der Hand gefressen hat.





Wir haben uns danach alle ein bisschen in den Schatten gelegt und ne Stunde gedöst. Nach unserm Mittagsschläfchen sind wir dann weiter auf der Rundstraße durch den Park bis zum Aussichtsturm Näkötorni. Von dort kann man die beiden Seen Vanajavesi und Aulangonjärvi sehen und hat generell eine atemberaubend schöne Aussicht auf das Gebiet Häme. Man hat das Gefühl gleich kommt einem Rapunzel entgegen, weil es irgendwie wie im Märchen aussieht.








Unterhalb vom Turm geht es noch zur Bärenhöhle und weiter auf der Rundstraße zum Schwanensee (Joutsenlampi). Am Ende des Weges steht noch ein kleines rotes Häuschen in dem Tobias dann verwunschene Prinzessin gespielt hat. Das schönste an diesem Ausflug war die absolute Ruhe die nur ab und zu vom Gequake junger Enten oder dem Schrei einer Möwe unterbrochen wurde. So was werde ich schon an Finnland vermissen.



Tobi als Prinzessin

Sonntag, Juli 10, 2005

Ausflug in den Serena wasserpark in Espoo

Am Samstag waren wir zusammen mit Tobias und seiner Freundin Katja in Espoo im Wasserpark Serena. Da bei uns in Riihimäki irgendwie der einzige Flecken Erde in Finnland ist wo es keinen See zum Baden gibt und dass Freibad dummerweise wegen Renovierung geschlossen ist musste halt eine Alternative her.

Also ging’s am Samstagmorgen mit dem Zug nach Helsinki und von dort sollte es eigentlich direkt mit dem Bus ins Freizeitbad gehen. Dieser ist uns dann aber leider kurz vor der Nase weggefahren. Und der nächste ging erst 1 ½ Stunden später, weil samstags kein so reger Busverkehr herrscht.


Tobias haben wir ja eigentlich schon am Freitag Abend gefragt , ob er mit uns mitkommt, aber da war er leider schon so ein paar Bier zum Opfer gefallen, die sich ihm gnadenlos aufgedrängt hatten und konnte uns daher keine konkrete Antwort mehr geben. Und als wir dann da standen ohne Bus, haben wir ihn kurzerhand angeklingelt ob er uns nicht in Helsinki einsammeln kann, er ist nämlich mit seinem Wagen hier. Wir sind dann aber mit nem anderen Zug bis nach Leppävaara gefahren, und dort hat uns Tobias dann vom Bahnhof abgeholt.

Wir sind dann erst noch mal kurz zu ihm mit ins Wohnheim, weil er sich erst noch was zu Essen machen musste. Während er sich Spaghetti gekocht hat, hab ich auf die stürmische Art seinen italienischen Mitbewohner Fabrizio kennen gelernt. Er hatte die Badezimmertür nicht abgeschlossen und ich bin reingestürmt. Wusste ja nicht, dass er da drin ist. Aber er war angezogen und beim Zähneputzen und ich hab die Tür auch ganz schnell wieder zu gemacht.

Als echter Italiener konnte er Tobi´s Kochkünste nicht mit ansehen. Der hat nämlich erst Spaghetti gekocht und dann im gleichen Topf über den Spaghetti die Soße. Hat aber geschmeckt. Nach dem Essen ging´s über den Stadtring noch mal zurück ans andere Ende von Helsinki um Katja abzuholen und dann endlich raus nach Espoo.

Der Wasserpark liegt etwas außerhalb aber schön im Wald drin. Nach happigen 17 € Eintritt konnte unser Wasserspaß beginnen. Der Innenbereich umfasst etwa 2000m2 und der Außenbereich noch mal 1000m2. Und da haben wir auch angefangen uns auszutoben. Es gab da ne riesen Rutsche im freien, die man zu zweit mit Minischlauchbooten runter düsen konnte. Das hat vielleicht Spaß gemacht.


Um einiges mehr als dieses kriminelle Ding, das wir danach runter sind. So was Ähnliches hat es auch schon mal am Weinfest gegeben nur ohne Wasser. Man schnappt sich eine Art Isomatte und muss dann auf dem Bauch Kopf voraus eine überbreite Rutschbahn runter, die wiederum in drei Einzelbahnen unterteilt ist. Zum Abbremsen ist unten einfach ne Vertiefung in der etwa kniehoch das Wasser steht und nach diesem Wassergraben geht es wie in ner Halfpipe wieder bergauf.

Ich konnte gar nicht so schnell schauen wie diese Matte mit mir ab ist, und ich weiß auch nicht mehr wie ich unten angekommen bin. Diana hat mir dann später erzählt dass es mich über den letzten Hubbel mit nem Riesenschwung drüber gehauen hat und dann bin ich im Wassergraben gelandet, und das nicht gerade sanft. Außerdem saß meine Bikinihose leider Gottes einen halben Meter tiefer. Hab das aber Gott sei Dank gleich wieder in Ordnung bringen können. Peinlich!! Man hätte dieses Bad auch ruhig als Nudistenanlage eröffnen können, so oft wie wir Mädels unsere Bikiniober- und unterteile wieder an die richtige Stelle gerückt haben. Also diese Mattenrutsche hätte vor unserm Tüv keine Gnade gefunden, und ich glaub auch ein paar andere Dinger nicht.


Drinnen ging es dann mit ner gemütlichen Runde in der Sauna weiter, weil wir dann doch ein bisschen ausgekühlt waren. Und nach dem Relaxen waren die großen Rutschen an der Reihe. Es gab eine „Black Hole“ genannt, aber da war uns die Schlange einfach zu lang. Aber die anderen waren auch nicht schlecht. Nur die grüne, die haben wir uns nicht runtergetraut. Die ging ziemlich steil schräg runter und dann gleich in eine enge Kurve. Und jeder der unten aus der Röhre schoss hat sich den Rücken oder sonst was vor Schmerzen gehalten.



ganz hinten kann man die grüne Rutsche sehen

Später haben wir uns dann noch gemütlich in die Sonne gelegt und etwas gedöst. Am Abend sind wir dann noch in Helsinki vorm Kunstmuseum einen Kaffe trinken gegangen und dann wieder zurück mit dem Zug nach Helsinki. War trotz einiger Schreckmomente ein lustiger und schöner Tag.

Freitag, Juli 08, 2005

Jippieh meine Eltern kommen zu Besuch

Am Donnerstag den 30.06.2005 war es soweit. Meine Eltern waren auf dem Weg zu mir nach Finnland. Ich bin deshalb gegen eins auf den Zug Richtung Tampere, da ich sie natürlich vom Flughafen abholen wollte. Nach nem kurzen Stadtbummel ging es mit dem Linienbus zum Flughafen und dort hieß es dann noch mal ne Stunde warten.

Zur Begrüßung habe ich beiden extra in der Bäckerei ein Korvapuusti gekauft und für mich gab's von ihnen noch nen Elsässerweck mit Schwarzwälder Schinkenspeck.

Zurück ging´s mit dem Mietwagen, nachdem wir es endlich geschafft hatten in dem kleinen Piccanto den großen Koffer und die Reisetasche unterzubringen. Gott sei Dank hatte sich der Wetterbericht nicht bestätigt und es war die ganze Zeit über strahlendes Sommerwetter.

Wir sind dann direkt zum Hotel und haben später dort auch noch was gegessen. Ich habe ihnen dann bei einer kleinen Spritztour noch Riihimäki, meine Laufstrecke, unsere Schule und so gezeigt.

Tampere 01.07.2005

Am Freitagmorgen sind wir dann zu viert nach Tampere gefahren. Dort ging es zuerst ins „Tallipiha“-Viertel was soviel wie Stallhof heißt. Das ist inter dem Finlayson-Areal und eine beliebte Attraktion für die ganze Familie. In den alten schmucken Holzhäusern werden kunstvolle Handarbeiten, Textilien, Keramik, Schmiedearbeiten, Tiffanyglas und Grafik angeboten. Das Schokoladenmädchen lockt mit hausgemachter Schokolade. Doch zuallererst haben wir uns zu ner kleinen Pause ins Café Vatruska gesetzt in dem man auch köstliche Beerenweine versuchen kann.


Im Café Vatruska


beim Schokoladenmädchen


Von dort gingen wir zu Fuß rüber in den „Särkenniemi“ Freizeitpark. Dort gibt es einen großen Aussichtsturm für den man auch Einzeleintritt bezahlen kann und von dem man eine atemberaubende Aussicht auf Tampere und die beiden angrenzenden Seen „Näsijärvi“ und „Pyhäjärvi“ hat.


Aussichtsturm im Erlebnispark


Danach ging es weiter zum Finlaysongebäude. In dem alten Backsteingebäude der ehemaligen Baumwollfabrik sind jetzt das Zentralmuseum der Arbeiterbewegung, das Medienmuseum, das Spionagemuseum und viele mehr.

Die alte Markthalle stand als nächstes auf unserem Plan. Sie liegt nicht weit entfernt vom Marktplatz. Dort haben wir dann Rentierschinken probiert. Also wenn ich nicht gewusst hätte dass ich Rentier esse könnte es genauso ziemlich salziger Schinkenspeck sein können. Und weil nach soviel Sightseeing auch mal der Magen knurrt sind wir Richtung Stromschnelle runter ans Wasser gelaufen und haben es uns dann bei einem Griechen auf der Sonnenterasse gut gehen lassen. Und das mit ner wunderschönen Aussicht auf Wasser.

Wieder im Auto sind wir dann noch ins alte Arbeiterviertel „Pispala“ gefahren. Das ist einer der bekanntesten Stadtteile in Finnland und das Viertel mit seinen engen Gassen und steilen Abhängen ist einmalig. Vom Landrücken Pispala eröffnet sich ein herrlicher Blick nach Norden auf den See Näsijärvi und nach Süden über den See Pyhäjärvi bis nach Pirkkala und Nokia.


alter Schrotturm

Und mitten in diesem Viertel steht das Wahrzeichen, der alte Schrotturm. Er stammt aus dem Jahre 1908, ist 55 m hoch und in ihm wurden bis 1972 noch Schrotkugeln hergestellt.

Samstag 02.07.2005 – Helsinki Sightseeingtour

Da bei einem Finnlandtrip natürlich nicht eine Stadttour nach Helsinki verbunden mit der Besichtigung der bekanntesten Sehenswürdigkeiten fehlen darf, ging es am Samstag Richtung Hauptstadt. Unsern roten Flitzer haben wir untern Forum-Einkaufszentrum geparkt und sind von dort aus zu Fuß weiter.

Zuerst ging es geradewegs ins Stockmann das größte und eigentlich auch schönste Kaufhaus am Platze. Es wurde von einem Lübecker Kaufmann vor vielen Jahren gegründet. Von dort ging es weiter über die Alekserinkatu zum Senatsplatz, wo der Dom steht. Dann weiter zum Hafen in die alte Markthalle zum Fischbrötchen mampfen. In meinem Falle ein kleines Roggenbrötchen mit Flusskrebsschwänzen, sehr lecker!!!



alte Markthalle

Dann ab in die Straßenbahnlinie 3T mit der man für 1,80 € eine einstündige Rundfahrt vorbei an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten unternehmen kann. In der Nähe der Felsenkirche sind wir dann ausgestiegen und haben uns auf die Suche nach besagter Kirche gemacht. War gar nicht so einfach denn sie liegt versteckt in einem Häuserblock auf einem kleinen Hügel mitten im Wohnviertel. Und dann mussten wir auch noch warten, weil die Kirche an diesem Samstag ausgebucht war für Hochzeiten. Immer in den Pausen war dann geöffnet für Touris. Innen drin gab's dann sogar noch ein kleines Orgelkonzert.


in der Felsenkirche




Weiter zu Fuß zur Haltestelle um unser Rundfahrt fortzusetzen. Am Hafen sind wir dann wieder ausgestiegen. Und weil uns auch die Inselwelt vor den Toren Helsinkis interessiert hat, haben wir uns entschieden mit der „Doris“ eine 1 ½ stündige Rundfahrt zu unternehmen. Es ging hinaus vorbei an einer kleinen Insel mit Holzkirche zu der an diesem Tag auch gerade eine Hochzeitsgesellschaft unterwegs war. Noch idyllischer kann man eigentlich nicht heiraten.


Holzkirche auf Insel

Unsere Bootstour wurde glücklicherweise auf Finnisch, englisch, schwedisch, deutsch und russisch kommentiert damit wir auch wussten wo wir da grad rumtuckern. Endlich habe ich mal die Teppichwaschanlage direkt am Wasser gesehen an der traditionsgemäß die Männer die Teppiche direkt am Wasser schrubben. Es ging nach Valkosaari, Suomenlinna, rings um kleinere Ferieninseln mit öffentlicher Saunaanlage und um Gebiete die auch heute noch dem Militär gehören. Wenn man den Bericht aufmerksam verfolgt hat, konnte man feststellen dass so ungefähr jedes kleine Fleckchen Erde vor Helsinki mal unter russischer Besatzung war. Im Gasthafen von Helsinki kann man an den gehissten Fahnen erkennen, aus welchem Land gerade Boote am Steg liegen.



Meine Eltern

Weiter zum Hafen von Hakaniemi in dem die finnische Eisbrecherflotte vor Anker liegt. Diese Eisbrecher schaffen Schichten bis zu einer Stärke von 6m, was auch nötig ist. Denn im Hafen hat es schon Eisschichten bis zu 2 m gegeben. Abends sind war dann in einem Restaurant das vom Reiseführer empfohlen wird noch essen gegangen – dem „Kynsilaukka Garlic“. Dort wird alles mit Knoblauch gemacht, sogar der Kaffee. Also als Vampir würde man sich darin nicht wohl fühlen, denn es ist auch überall mit Knoblauch dekoriert.


Knoblauchrestaurant


Turku 03.07.2005

Am Sonntag war ich zum Fest des Tages zum Frühstück eingeladen. Mit Lachsbrötchen im Bauch sind wir dann Richtung Westen nach Turku aufgebrochen, oder Abo wie es mit schwedischem Namen heißt. War allerdings ne elende Gurkerei, weil es kaum Autobahn auf diesem Streckenabschnitt gibt.

Geparkt haben wir in der Nähe des Doppelmuseums „Aboa Vetus & Ars Nova“. Im Jahre 1997 wurde das lebendige und vielseitige Museum zum zweitbesten Museums Europas gekürt. Das Gebäude in dem sich die Museen befinden, ist der Privatbesitz eines früheren Turkuer Tabakfabrikanten. Im Museum „Aboa Vetus“ kann man ein gut erhaltenes mittelalterliches Stadtviertel entdecken und eine Ausstellung, die auf anschauliche Weise archäologische und historische Forschungsergebnisse präsentiert.


Minnesänger

Ganz im Gegensatz dazu steht das Museum „Ars Nova“ in dem moderne Kunst ausgestellt wird. Den Grundstock der Ausstellung bildet eine repräsentative Sammlung von Kunstwerken des 20. Jahrhunderts, die über 500 Werke finnischer und internationaler Vertreter der modernen Kunst umfasst. Was uns aber viel mehr interessiert hat als die beiden Museen war der an diesem Wochenende stattfindende Mittelaltermarkt. Den gibt es jetzt schon seit 10 Jahren, wie wir im Nachhinein erfahren haben. Vier Tage lang herrscht mittelalterliches Treiben auf dem „Alten Großmarkt“. Zur richtigen Marktstimmung trugen die Reihen der Marktstände bei, an denen ganz im Geiste der damaligen Zeit gefertigte Gebrauchs- und Dekorationsgegenstände feilgeboten wurden.



Mittelalterwurst

Die ganze Straße entlang des Aurajokis war gesäumt mit Ständen von Filzern, Schreibern, man konnte sich Karten legen lassen. Es gab außerdem auch einen Schaubereich wo eine Seifensiederei, ein Schmied, Bierbrauer, Weberei, Silberschmiede usw. untergebracht waren. Alles sehr interessant. Interessant war auch, dass wirklich alles total auf Mittelalter gestylt war. Denn es gab die Sau vom Spieß mit Krautsalat und Brot dann nicht etwa vom Plastikteller sondern stilecht von einem Stück Holz mit Holzbesteck. Und da es damals ja noch keinen Hotdog gab, haben wir unsere Wurst, die nach Mittelalterrezept hergestellt war nicht etwa mit Brötchen, sondern eingewickelt in einem rohen Krautblatt bekommen. Die Wurst sollte man dann so essen, dass ein bisschen von dem Fett aufs Blatt tropft und es so geschmeidig wird. Sie war richtig würzig durch die vielen verwendeten Kräuter. Und das bester war, sie wurde von zwei deutschen Köchen und einem Fleischer hergestellt, die seit ein paar Jahren in Finnland wohnen.


Mittelalterwurst 2



Schick, oder?

Das schöne am Mittelaltermarkt waren die Preise, bei denen man meinen könnte sie hätten sich auch an der damaligen Zeit ausgerichtet. Wir haben zum Beispiel einen Stand entdeckt an dem es die typischen Butterstreicher aus Holz zu kaufen gab, aber auch schöne Schmuckdöschen, Pfannenwender, Gurkenpiekser usw. Allerdings hat dort ein Schmuckdöschen in der Größe von 8x5 cm 10 € gekostet, während das gleiche Döschen in einem Souveniershop in Helsinki satte 36 € kostet. Und weil so ein Bummel über den Markt auch durstig macht haben wir uns mit echtem „Sima“ gestärkt. Das ist das Getränk was eigentlich traditionell an Vappu am 1. Mai getrunken wird. In meinem Bericht von damals könnt ihr auch das Rezept dazu finden. War wirklich sehr erfrischend.


Seifensiederei

Vom Mittelaltermarkt ging es weiter zum Dom von Turku. Er ist das finnische Nationalheiligtum. Das der Jungfrau Maria und dem Bischof St. Henrik gewidmete Gotteshaus wurde 1300 zum Dom geweiht. Und von dort sind wir dann aufgebrochen zu unserem Rundweg auf dem man so an allen wichtigsten Sehenswürdigkeiten Turkus durchkommt. Angefangen beim Dom endete unser Spaziergang entlang an den Ufern des Aurajokis bei der Sigyn. Vorbei am erwähnten Doppelmuseum „AboaVetus & Ars Nova“, weiter zur Statue des finnischen Langstreckenläufers „Paavo Nurmi“. Auf dem weiteren Weg kommt man am Apothekermuseum vorbei, welches sich in dem um 1700 erbauten Qwensel-Haus befindet, dem ältesten noch erhaltenen Bürgerhaus.

Weiter geht’s vorbei am Stadttheater, am Freilichttheater „Samppallinna“ und am Brauereirestaurant „Hermanni“. Nicht weit entfernt davon verkehrt die Flussfähre „Föri“, mit der man sich kostenlos ans andere Ufer übersetzen lassen kann. Direkt neben der Fähre befindet sich der Gasthafen von Turku und nicht weit davon ragt aus dem Wasser die von dem Berliner Künstler Achim Kühn geschaffene Metallplastik „Harmonie“. Sie sieht aus wie eine Walflosse aus Glas und Metall. Wenn man jetzt noch ein paar Schritte geht steht man auf dem Varvintori-Platz. Dort sieht man auch schon die Dreimastbark Sigyn und dann ist man auch schon am Hafen von Turku von wo aus man die Burg sehen kann.


Burg Turku
Und weil sich mein Vater an diesem Punkt dann auch schon wie ein finnischer Langstreckenläufer fühlte sind wir mit dem Taxi zurück zu unserem Auto und damit dann hoch zur Burg gefahren. Die Turkuer Burg (Turun Linna) deren Geschichte um 1290 beginnt ist einer der bedeutendsten Nationalschätze Finnlands. Ihre Glanzzeit erlebte die Burg zur Hälfte des 16. Jahrhunderts, zu der Zeit von Herzog Johan und Katarina Jagellonica, als u.a. das Renaissancestockwerk entstand. Heute kann man durch die fast komplette Burg durchspazieren und sich einen Einblick in die Bekleidungs-, Einrichtungs- und Fest- bzw. Brauchtumskultur vergangener Zeiten gewinnen.



Kapelle Turku


Nach diesem ereignisreichen Tag mussten wir uns erstmal stärken und haben deshalb am Rückweg von der Burg am Brauereirestaurant „Hermanni“ Halt gemacht. Da gibt es nämlich Pilsener, Märzen und Helles gebraut nach deutschem Reinheitsgebot.


Bier Turku

Lahti 04.07.2005

Heute war nach dem Frühstück erstmal Kultur im Museum angesagt. Das Finnische Glasmuseum in Riihimäki ist ein Spezialmuseum, in dem die Geschichte der Glasherstellung und das Glasdesign gezeigt werden. Das Museum befindet sich seit 1981 in einer ehemaligen Glasfabrik, deren Umgestaltung von Tapio Wirkkala geplant wurde.


Olympiavase

Im Glasmuseum kann man sich mit der über 4000 Jahre alten Geschichte des Glases und der 300-jährigen Tradition der Glasherstellung in Finnland vertraut machen. Die Sammlungen des Museums umfassen in der Hauptsache finnisches Gebrauchs- und Designglas sowie Glaskunst aus der Zeit vom 18.-21. Jahrhundert. Die ehemalige Glashütte dient heute als Raum für Wechselausstellungen.

Und gleich gegenüber liegt das Jagdmuseum. Ein Muss natürlich für meinen Vater den Jäger. Wir sind halt auch mit gezottelt, aber ich muss zugeben es war erst noch interessant. Die Dauerausstellung des Museums gewährt dem Besucher einen Einblick in die über 10000 jährige Geschichte der Jagd in Finnland - es wird die Entwicklung von der Erwerbsjagd bis zur Hobbyjagd gezeigt. Dem Besucher werden in der Ausstellung u.a. der Lagerplatz eines Steinzeitlichen Jägers, die Treibjagd des Wilderns, der Pelzhandel und der Robbenfang vorgestellt.



Im Museum sind auch verschiedene Fanggeräte und Köder von der Steinzeit bis zur Gegenwart ausgestellt. Eine eigene Ausstellung bilden die bei der Jagd benutzten Feuerwaffen, beginnend von den Vorderlader-Steinschlossbüchsen bis zu den modernen Jagdwaffen. In der Dauerausstellung des Museums kann man auch die zugehörigen Talismänner betrachten. Auch die wichtigsten und interessantesten Beutestücke werden gezeigt.

Im Sako-Sali kann der Besucher sich mit den Produkten der finnischen Waffenindustrie im 19.Jahrhundert beschäftigen. Sako ist auch die Firma über deren neueste Errungenschaft auf dem Waffenmarkt ich mit meinem Team die Image-Cd erstellt habe, im Rahmen meines Praxissemesters.

Im Safari-Zimmer sind exotischere Wilde Tiere aus anderen Teilen der Welt ausgestellt.Das war aber irgendwie der gruseligste Teil des ganzen Museums. Ein Elefantenfuß umfunktioniert als Hocker würde ich mir nicht ins Wohnzimmer stellen wollen.

Nach soviel Kultur ging’s dann erstmal weiter nach Lahti, der Sporthauptstadt Finnlands und dort gleich hoch zur Schanzenanlage. Auf dieser Schanzenanlage werden seit 1923 die berühmten Winterspiele ausgetragen. Von den drei Schanzen (116m, 90m und 64 m) sieht man die größte auch heute noch bei Winterspielen im Fernsehen. Die Nordischen Skiweltmeisterschaften finden alle zwei Jahre in den ungeraden Jahren in den Disziplinen des Ski Nordisch (Skilanglauf, Skispringen, und Nordische Kombination) statt. Veranstalter ist der Weltskiverband FIS. Erstmals wurden Weltmeisterschaften im nordischen Skisport 1924 abgehalten. Bis 1939 fanden die Wettbewerbe jährlich statt, bis 1982 alle zwei Jahre.



vor den schanzen

Und genau auf diese K 116 sind wir dann auch mit dem Sessellift hochgefahren. Es ist schon ein beeindruckender Anblick wenn man unten am Fuß der Schanzen steht. Und witzigerweise ist direkt am Auslauf im Sommer das Freibad von Lahti. Bei den Außentemperaturen hätte ich auch am liebsten einen Sprung ins Kühle Nass gemacht.


Oben angekommen kann man dann erstmal bezahlen, davon steht unten aber nichts. Mit dem Lift ging’s hoch auf 116m. Am Ende des Lifts muss man dann noch ein paar Treppen steigen bis man eine atemberaubende Aussicht rings rum und nach unten erhält. Also ganz schön gruselig wenn man da oben steht und sich den Weg anschaut den die Skispringer da zurücklegen. Es geht steil nach unten und eigentlich sieht man gar nicht die Fläche wo man später aufkommt.



alte schanzen

Das schönste dort oben war aber ein schwäbisches Ehepaar, die man ganz ohne Verrenkungen fragen konnte: Tschuldigung, däde sie grad gschwind ä Foto vun uns drei mache. Grad druffdrucke und warte bis es gggrrrr macht!“ Hach ich freu mich wenn ich wieder daheim bin.


wir drei auf der großen Schanze

Da dort oben im Glaskasten aber eine Hitze wie in der Sauna herrschte, sind wir auch bald wieder runter. Aber jetzt können wir sagen, wir sind schon im selben Fahrstuhl gefahren wie Janne Ahonnen, Sven Hannawald und Co. Zurück mit dem Sessellift, vorbei am Schiedsrichterkabuff. Außer der Schanzenanlage gibt es dort noch einen Sport- und Leichtathletikplatz und ein Fußballfeld. Im Winter verwandelt sich das Ganze dann zu einem Ski- und Biathlonstadion mit Start, Ziel und Schießplätzen. Der Schanzenrekord auf der großen Schanze wird übrigens von Ronny Ackermann mit 133 m gehalten, aufgestellt 2002.


Schanze runter

Und gleich weiter zur nächsten Attraktion. Im Kariniemi-Park in der Nähe des Hafens befindet sich die größte Wasserorgel ganz Skandinaviens. Und um 13 und 18 Uhr kann man deren Spiel sogar untermalt von berühmten Filmmelodien bewundern. Nach ein bisschen Relaxen im Park war dann finnische Architektur angesagt. Die Ristinkirkko (Kreuzkirche) vom Architekten Alvar Alto liegt auf einer Geraden quer durch die Stadt mit dem von Eliel Saarinen entworfenen Rathaus.



Wasserorgel



Kreuzkirche Licht und Schatten

Die Kirche ist ziemlich modern und nüchtern gehalten und berühmt für ihre Orgel mit den 52 Registern. Wir kamen durch Zufall genau zur Probe eines kleinen Orchesters und haben uns ein kleines Privatkonzert natürlich nicht nehmen lassen. Die Kirche hat nämlich eine wunderbare Akkustik.



Nicht weit von der Kreuzkirche befindet sich der Marktplatz von Lahti. Und nicht weit vom Marktplatz die Pizzeria Mama Maria in der es auch einen deutsch sprechenden Ober gab. Mit Pizza belegt mit Krabben und frischem Rucola drauf habe ich mich dann gestärkt für den Rest unserer Tour. Denn als nächstes stand das Rathaus auf unserer Liste. Das von dem Architekten Eliel Saarinen entworfene Ziegelsteingebäude im Spätjugendstil wurde 1912 erbaut und 1985 restauriert. Von dort hat man ne herrliche Sicht bis rüber zur Kreuzkirche.


Rathausturm

Als letztes sind wir dann runter zum schönen Hafen gefahren, wo sich auch das Sibeliushaus befindet. Irgendwas mit dem Namen Sibelius findet man wohl in jeder Stadt Finnlands. Die Sibelius Halle ist das größte öffentliche Holzgebäude, das in den letzten 100 Jahren in Finnland erbaut wurde. Sie verfügt über einen Konzertsaal mit einmaliger Akustik.

Mitten im Gebäude befinden sich eine mächtige Holzhalle sowie Kongress- und Ausstellungsräume, ein Restaurant und eine Sommerterrasse. Das Gebäude bietet Kongressräume für mehr als 1000 Personen in einer wunderschönen Uferlandschaft.









Und an eben dieser wunderschönen Uferlandschaft haben wir uns noch ein bisschen die Abendsonne ins Gesicht scheinen lassen und sind dann zurück. Und da Lapilla auch auf unserem Heimweg lag, haben wir dorthin noch einen Abstecher gemacht. Denn dort in der Nähe steht das Mökki von Lasses Eltern und das wollte ich meinen Eltern unbedingt zeigen.


Und weil wir uns ein bisschen verfahren hatten, kamen wir erst in kurz nach halb zwölf in Riihimäki an. Dachte schon ich muss auf der Landstraße in meinen Geburtstag reinfeiern.

Meine vier Geburtstagsgäste haben dann um zwölf für mich Happy Birthday gesungen. Thorsten war leider nur via Skype und ICQ sozusagen live zugeschaltet. Und Diana hat mich mit einem selbstgebackenen Kindergeburtstagskuchen und zwei Kerzen in Form von ner zwei und ner sieben überrascht. Hilfe iiiiihhhh ich bin 27!!! Alte Kunkel ( würd mein Bruder jetzt sagen).









Dienstag 05.07.2005 - Mein Geburtstag


Am Dienstag ging es dann zum großen Geburtstagsshopping nach Helsinki. Und da Männer dem ja bekanntermaßen nicht soviel abgewinnen können, haben wir meinen Vater einfach später im Esplanadipark bei einem Glas Cider und dem neuesten Minette Walters Krimi geparkt. Aber zuerst standen noch zwei Kirchen auf unserem Programm.



Uspenskikathedrale

Die Uspenski-Kathedrale in Helsinki entstand 1868 nach Entwürfen des Architekten A.M. Gornostajew und ist die größte russisch-orthodoxe Kirche im altrussischen Stil in Westeuropa. Sie wurde dem Todesschlaf der Gottesmutter geweiht. Weiter ging es zum Dom auf dem Senatsplatz. Er wurde zwischen 1830 und 1852 im Empirestil von dem Architekten Carl Ludwig Engel erbaut, der sich St. Petersburg zum Vorbild nahm.








Mein Wunsch war ja ein finnisches Designerstückchen von „marimekko“. Ich bin ja sonst nicht so, aber das musste sein. Leider musste ich feststellen dass das von mir gewünschte Modell nicht in meinem Wunschdesign hergestellt wurde. Aber ich hab jetzt trotzdem was schönes gefunden. Ein richtiges Sommertäschchen in quietschgelb. Danach ging es noch in die Haupteinkaufsmeile „Alekserinkatu“. Wir haben da noch ein bisschen H&M und Co. Durchstöbert denn es ist grad überall Sommerschlussverkauf. Das muss man doch schließlich ausnutzen, nicht wahr?! ;-)

Müde aber glücklich über gelungene Einkäufe haben wir dann unser Familienoberhaupt wieder im Park eingesammelt und unsere Einkäufe im Auto verstaut. Danach gingen wir ins „Havis Amanda“ zum Lecker Fisch essen.








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Es war ein wirklich schöner Geburtstag. War nur schade dass mein Schatz nicht da war, aber hab ihn ja bald wieder.

Mittwoch 06.07.2005


Tja auch die schönsten Tage gehen leider zu Ende. Am Mittwoch hieß es dann schon wieder Koffer packen für meine Eltern und auch für mich. Ich habe ihnen nämlich schon mal nen großen Teil von meinem „Kruscht“ mitgegeben. Aber da der Flug ja erst um 18.15 Uhr ging, haben wir auf dem Weg zum Flughafen noch einen Abstecher nach Hämeenlinna gemacht.


Ich habe ihnen noch unser Lieblingscafé gezeigt und dann sind wir noch in den berühmten Park „Aulanko“. Leider musste ich am Dienstag feststellen als ich mit Tobias und Diana noch mal dort war, dass wir nicht alles vom Park gesehen haben. Und schon hieß es Abschied nehmen. Aber nicht mehr für lange. Jetzt sind es heute am 13. Juli noch 31 Tage dann fliegen auch wir wieder heim.