Mittwoch, März 16, 2005

Tampere

Tampere ist eine faszinierende Großstadt, die durch ihre Lage zwischen zwei Seen jedoch die Vorzüge einer Kleinstadt genießt. Hier ist alles bequem zu Fuß erreichbar und genauso haben wir die Stadt bei unserem zweiten Besuch am 12. März auch erkundet.



Blick auf die Stromschnellen


Mit dem Zug ist man nach einer Stunde Fahrtzeit von Riihimäki dort angekommen. An diesem Wochenende war in Tampere das berühmte Kurzfilmfestival für welches die Stadt weit über ihre Grenzen hinaus bekannt ist. Das Festprogramm des 35. Jubiläums setzte sich zusammen aus einem erstklassigen nationalen und internationalen Filmwettbewerb, buntem Spezialprogramm sowie diversen Veranstaltungen.

Na ja wir sind nicht ganz dieser Meinung. Die zweistündige Vorführung des internationalen Wettbewerbs hat uns jezt nicht gerade von den Sitzen gerissen, im Gegenteil ich hab ein bißchen gedöst. Na ja was solls!

Allerdings beeindruckend war das Gebäude gegenüber. In Tampere gibt es viele alte Backsteinbauten, ehemalige Fabrikgebäude die heute leicht umgebaut viele Restaurants , Cafés und Läden beinhalten. Die Gebäude stammen so aus der Zeit um 1800 als in Finnland die Industrialisierung begann.



Blick auf das "Finlayson"-Gebäude


Gegnüber des Kinos liegt das Finlayson Gebäude, eine ehemalige Baumwollfabrik, von schottischen Einwanderern 1820 gegründet. Auf diesem Gelände befinden sich zum Beispiel das Dampfmaschinenmuseum, das Medienmuseum, die Grafikwerkstatt Himmelblau und das Spionagemusseum um nur einige zu nennen. Außerdem unzählige Restaurants, Kneipen und Cafés.



Hier seht Ihr einige Impressionen aus dem Finlayson Gebäude


Eine ganz besondere Kneipe ist das "Plevna" . Es befindet sich in der alten Weberei von Finlayson und verwöhnt schon seit 10 Jahren Freunde des guten Essens und Biers. Die eigene Brauerei im Herzen des Restaurants braut 12 verschiedene Biersorten sowie drei Cidres nach alter Tradition. Sogar Hefeweizen nach deutscher Brauart bekommt man hier. Einfach auf den Link klicken für näher Informationen, die Homepage gibt es nämlich auch auf deutsch.




"Plevna", das finnische Gegenstück vom Hofbräuhaus

In dem Spionagemuseum erfährt man die ganze Geschichte der Spionage im In- und Ausland, kann alles über berühmte Spitzenagenten erfahren und auch selbst einen Agententest machen. Wir haben us mit dem bloßen anschauen begnügt . Wer wissen will wie Mata Hari zu ihrem geheimnisvolen Job kam oder mit welchen Methoden die Stasi früher ihre Opfer bespitzelt hat, ist hier genau richtig. Es ist übrigens das weltweit einzige Museum dieser Art.



Plakat am Eingang des Spionagemuseums

Nach soviel Kultur hat es uns dann noch ein bißchen an die frische Luft gezogen. Wie bereits oben erwähnt liegt Tampere zwischen zwei Seen, dem Näsijärvi und dem Pyhäjärvi. Oben am Näsijärvi liegt auch der Särkänniemi, Finnlands vielseitigster Erlebnispark. Bei unserem Spaziergang dorthin lag aber alles im Winterschlaf. Das Angebot reicht im Sommer aber von 35 Fahrgeschäften bis zu moderner Kunst, von der Unterwasserwelt bis ins All sowie von leckeren Snacks bis zu à la carte Menüs. Es gibt zudem auf dem Parkgelände einen Aussichtsturm, mit 168 m der höchste in ganz Finnland. Von dort hat man den schönsten Blick auf die schimmernde Seenlandschaft von Tampere.


Sonntag, März 13, 2005

Dies & Das

Nein, nein keine Angst hier kommen jetzt nicht die Kleinanzeigen in denen die neuesten finnischen Spezialitäten angeboten werden. Ich möchte eher mal auf die kleinen Unterschiede zwischen Finnland und daheim aufmerksam machen, die einem hier jeden Tag begegnen. Schon mal damit angefangen, dass hier die Türschlösser und Schlösser im Allgemeinen generell andersrum funktionieren als bei uns. Hier trinkt jeder Mittags in der Mensa ein Glas Milch, daher wohl leider auch die ganzen Milchbubis die hier rumlaufen.

Als einen kleinen Luxus haben wir uns jede eine schöne Müslischüssel mit dem dazu passenden Kaffeepott gegönnt. Das bisschen Geschirr, dass wir von der FH gestellt bekommen ist nämlich nicht gerade üppig sortiert. Wenns Suppe gibt wird die kleine Apfelschorleflasche von daheim als Maßbecher umfunktioniert, ein großer Karton vom Lidl ausgekleidet mit ner Mülltüte dient als Wäschekorb. Tja, Not macht erfinderisch.

Allerdings himmlisch sind die Sonnenuntergänge, die wir hier fast jeden Abend miterleben dürfen. Der Himmel strahlt dann in einem satten Blau, das sich gar nicht recht beschreiben lässt und Richtung Horizont geht es dann in ein warmes Orange über. Außerdem scheint fast ausnahmslos jeden Tag die Sonne, und der Schnee knirscht irgendwie schöner.

Fernsehen vermissen wir nicht wirklich und auch mein geliebtes Auto ist nicht so unersetzlich wie gedacht. Beim Sprudelkauf im nicht gerade nahegelegenen Lidl wäre so ein fahrbarer Untersatz aber dann doch was schönes. Muss ja nicht motorisiert sein, so ein kleines Omawägelchen würde auch reichen. Hauptsache nicht mehr so nach Hause schleppen :-(


Milchprodukte übrigens sind hier sehr zu empfehlen, alle außer "viili". Hierbei handelt es sich um einen ekelhaften rotzigen Brei aus Dickmilch, den wir leider fälschlicherweise für Quark gehalten haben.Noch steht er unberührt im Kühlschrank.
Auch sonst haben die Finnen in manchen Dingen komische Geschmäcker. Ihre Fleischwurst
"makkara", die auch in der Sauna über dem Dampf der Steine zubereitet wird, schmeckt ein bißchen wie aufgeweichte gewürzte Pappe. Bei unserem Ausflug nach Evo gab es abends zu den Mahlzeiten ein nicht identifizierbares Gebräu, das nach einer Mischung aus Bier, Met und ich weiß nicht noch was geschmeckt hat. Gleichermaßen grausam ist das Brot hier. Wir mussten zwar mit Erstaunen in einem unserer Reiseführer lesen ..

Zitat:"Finnisches Brot (leipä) lässt die übliche deutsche Klage, es gebe nur daheim ordentlich gebackenes, rasch verstummen. Es gibt graue und weiße Brotsorten; eine Spezialität ist das Ringbrot, flache und feste Leibe mit einem Loch in der Mitte - früher wurden die Brote an Holzstangen aufgereiht hängend bevorratet. Typisch füt Ostfinnland sind weichere und rundere Brotlaibe. - Sogar Schwarzbrot muss niemand vermissen, wenn das Rezept auch von der Südwestküste stammt."

Also die Autoren diese Buches müssen in einem anderen Finnland gewesen sein. Unsere Erfahrungen mit finnischem Brot glichen bisher noch keinem kulinarischen Höhenflug. Alles ist knatschig ohne Kruste oder es besteht nur aus Kruste. Knäckebrot ist noch das einzig wahre. Aber wir geben die Hoffnung nicht auf.


Aber es gibt durchaus auch positives aus Finnland zu berichten, z.B. über die Bahn. Hier kann man sich mit einem gültigen Studentnausweis für nur zwei Euro eine Berectigungskarte kaufen um dann nur noch für die Hälfte des regulären Preises durch die Gegend zu tuckern. Außerdem haben die Bahnschalter hier sogar Sonnntags geöffnet und die Bediensteten sind sehr freundlich und hilfsbereit.

Mittwoch, März 09, 2005

Helsinki - Helsingfors

Eine Stadt, zwei Namen. Da Helsinki ziemlich nahe an Schweden liegt hat es wie die anderen Küstenstädte auch immer zwei Namen - den finnischen und den schwedischen. Helsinki war nicht immer die Haupstadt Finnlands. Früher war Turku, welches weiter im Westen liegt die Hauptstadt. Die schwedischen Könige wollten früher nicht so lange Reisen um an ihren Amtssitz zu gelangen.



Der Hafen von Helsinki


Wir waren heute für einen Kurzbesuch in Helsinki. Aber irgendwie wars einfach zu kalt für ein ausgedehntes Sightseeingprogramm, deshalb müssen die Felsenkirche und das Sibeliusdenkmal noch ein bißchen auf uns warten. Die Grobübersicht haben wir uns durch eine Fahrt mit der Straßenbahn verschafft. Mit der Linie 3T kann man für 1,80 € eine ganze Stunde durch Helsinki gondeln.




Frontansicht der alten Markthalle

Für einen kleinen Bummel zum Hafen und zur alten Markthalle war aber genug Lust vorhanden. In der alten Markthalle reiht sich ein Stand mit ausgesuchten Köstlichkeiten an den anderen. Beim einen gibts die bunte Fischpalette, der nächste bietet ausgesuchte Törtchen und natürlich auch "Korvapuusti" an. Korvapuusti sind eine Art Hefegebäck mit Zimt, sehen ähnlich aus wie ein Nusshörnchen und werden hier gern zum Kaffee gereicht. Lecker!



Schöne Fischtheke in der alten Markthalle am Hafen



Hier gibt es außerdem ein Riesenkaufhaus ähnlich wie das KaDeWe in Berlin. Es heißt STOCKMANN und ist nicht weit vom Hauptbahnhof entfernt. Dort gibts sogar Ritter Sport Schokolade. Außerdem alles mögliche was es halt in Kaufhäusern gibt. Deutsche Zeitschriften zu Wucherpreisen genauso wie Souvenirs aus Lappland.

Ich denk mir im Sommer oder jetzt dann im Frühling hat Helsinki bestimmt seine schönen Seiten. Dann ist bestimmt jeder Markt geöffnet und mehr Trubel auf den Straßen. Außerdem reizt es uns dann bestimmt mehr im H&M Klamotten zu probieren. Dafür konnten wir uns heute nämlich noch nicht erwärmen. Bei den fiesen Temperaturen draußen möchte man einfach nicht luftige Blusen zu 7/8-Hosen tragen.


Aber ein paar interessante Lebewesen haben wir hier entdeckt. Wüsste ich es nicht besser würde ich sagen wir sind irgendwo beim Almabtrieb in Bayern. Vor Kühen hat die Stadt heute nämlich nur so gewimmelt.










Kuh Nummer eins


Kuh Nummer zwei

Samstag, März 05, 2005

Finnischkurs in Hämeenlinna

Zweimal die Woche immer Dienstag und Donnerstags jeweils zwei Stunden widmen wir unsere Zeit der finnischen Sprache. Jawohl richtig gehört wir zwei sind motiviert genug uns diesen Kauderwelsch anzutun. Es ist aber bei Gott nicht immer einfach, oder wer findet es logisch das es allein für die Frage "Wie geht´s?" gleich zwei Ausdrücke auf Finnisch gibt.
- "Miten menee?"
- "Mitä kuuluu?"
Kann einem übrigens auch kein Finne selber erklären.

Hämeenlinna ist mit dem Zug so etwa ne halbe Stunde entfernt und etwas größer als Riihimäki. Dort sind mehrere Stützpunkte der HAMK Polytechnik untergebracht. Unser Sprachkurs findet im Wetterhoff-Building statt, in dem die schönen Künste unterrichtet werden. Dort gibt es Mode- und Schuhdesign, alles rund ums Töpfern, die Glasherstellung und Schmuckgestaltung usw.



In einem künstlerischen Haus darf ein grafisches Geländer natürlich nicht fehlen



Das Gebäude liegt nicht weit weg von einem See entfernt, an dem es im Sommer bestimmt herrlich ist am Ufer entlang zu bummeln. Vielleicht hat sich bis dahin aus unserem kunterbunten Haufen ja schon eine eingeschworene Gemeinschaft gebildet, die abends die Strandpromenade unsicher macht. Mal schauen.



Hier der See vorm Wetterhoffbuilding, allerdings
ist er momentan noch komplett zugefroren

Freitag, März 04, 2005

Schlittenrennen und Party im Seurahone Hotel



Ja am Mittwoch abend war´s dann soweit. Wir dachten es wär ein normaler Abend mit ein bisschen Schlitten fahrn aber......falsch gedacht. Die Finnen oder zumindest die finnischen Studenten machen irgendwie aus allem ne Party, selbst aus einem simplen Schlittenrennen.Viele von den Jungs hatten extra spezielle Overalls an, voll mit den unterschiedlichsten Bügelbildern. Ab und zu finden Wettbewerbe zwischen den unterschiedlichen Hochschulen statt, und so weiß man sofort wer zu welchem Team gehört.

Die Piste war nicht weit vom Bahnhof entfernt und gleich im Anschluß daran befindet sich eine Eisfläche. Ein paar der Mädels hatten sich als Piraten verkleidet.Wir wurden bei unserer Ankunft stürmisch begrüßt und von allen Seiten mit guten Ratschlägen bestürmt, wie man sich den nun am Besten die Piste hinabstürzt.Genügend Alkohol war natürlich auch im Spiel. Leider sind die Fotos nix geworden. Für meine Kamera war´s zu dunkel und Lasse´s Karte hat gegen später den Geist aufgegeben. Aber alleine die Vorstellung,dass sich manche an dem Abend mit dem ausgedienten WG-Sofa den Abhang hinabstürzten zwingt einen zum Schmunzeln. Bei den Piratenmädel´s musste eine Europalette als Floß herhalten. Alles in allem ein witziger Ausflug in die Kälte, der nach dem Rennen noch lange nicht zu Ende war.



Hier sieht man dann doch schon die ersten Spuren des Alkohols ;-)


Danach ging´s nochmal kurz ins Wohnheim und dann frisch gestylt in die Bar des Seurahone Hotels. Man würde dem unscheinbaren Gebäude von außen gar nicht vermachen, dass sich darin ne gemütliche Bar und sogar eine kleine Disco inklusive Tanzfläche verbirgt. Und entgegen aller Meinung Finnland ist doch nicht teuer. Man muß nur mit genügend angetrunkenen Finnen unterwegs sein, die zahlen einem alles! ;-)

Ne,ne jetzt nicht falsch verstehen. Wir haben nix gnadenlos ausgenutzt. Hier läuft die gleiche Musik, wie auch bei uns in den Discos und auch sonst ist nicht viel anders. Außer das man hier vor der Disco noch zusammen in die Sauna geht, aber auch nur weil vorher das Schlittenrennen war.In dem besagten Hotel finden die meisten der FH-Party´s statt und nicht wie bei uns im Schulfoyer.



Von wem Sie da wohl gerade träumt?



Um 2 Uhr nachts ging es dann bei fiesen - 18° C bibbernd nach Hause. Nur gut das unser Wohnheim nicht ganz so abgelegen ist das wir auch ohne fahrbaren Untersatz einigermaßen zurecht kommen.